KLAN

ÜBER ERFOLG

Foto: Eder Pozo Perez

Es ist Zeit für KLAN. Zeit, Haltung anzunehmen, Fragen zu stellen – an andere und vor allem an sich selbst. Was willst du mit deiner Zeit machen, wofür willst du einstehen, woran glaubst du, bist du bereit, zu teilen, etwas zu verändern? Klingt zu schwerfällig für Pop? Ist es aber nicht, wenn man es wie KLAN in eine klare Sprache und leichtfüßige, griffige Klangfarbe verpackt – in Songs, die den Hörer wie eine freundschaftliche Geste einladen und ab März 2019 auf deutschlandweiter Tour erlebbar sind.

Interview: Alexandra Helena Becht.

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Plattenvertrag bei Warner, geachtetes Debütalbum, eigene Tour. Entspricht eure aktuelle Situation euren persönlichen Vorstellungen von einem erfolgreichen Künstler?

MICHAEL:
Es gibt ganz unterschiedliche Dimensionen von Erfolg. Es gibt einige Ideen oder Träume, die ich gern verwirklichen würde. Ich stand beispielsweise mal in der Columbiahalle und dachte, dass ich dort irgendwann mal spielen möchte. Das zu erreichen wäre für mich auf jeden Fall ein ganz klarer Erfolg. Es gibt aber zudem auch abstraktere Versionen von Erfolg: dass die Kunst, die ich mache, nah an mir dran ist und ich sie nicht aufgrund von Erwartungen anderer verändere. Das ist langfristiger Erfolg.

STEFAN:
Ich bin da mehr auf eine Art von Erfolg fokussiert, die auch nach außen sichtbar ist. Und zwar nicht bezogen auf Followerzahlen auf den Social-Media-Kanälen, sondern darauf, wie viele Leute unsere Konzerte besuchen.

Hat sich eure Einstellung in Bezug auf das, was Erfolg für euch als Musiker ausmacht, seit eurer Zusammenarbeit mit einem Label verändert? Gibt es womöglich die Situation, dass Partner und Teammitglieder an euch herantreten und vorgeben, was Erfolg bedeutet?

MICHAEL:
Auf jeden Fall. Die Grundeinstellung ist zwar die gleiche, doch ich merke schon, dass ganz starke Erwartungen an uns herangetragen werden. Gerade auch in Bezug auf Social Media, so dass man schon selbst davon etwas bestimmt wird und seine Statistiken täglich checkt und damit auch eine gewisse Gefühlslage einhergeht.

STEFAN:
Dadurch dass ich schon in einigen Bands gespielt habe und schon länger als Musiker arbeite, kenne ich diese Drucksituationen: dass Leute und Firmen mit dranhängen, die eben von hohen Verkaufszahlen abhängig sind. Ich habe durchaus in der Vergangenheit schon erlebt, dass das Involvement aus einem Team nachlassen kann, wenn gewisse Zielsetzungen nicht erreicht werden.

Die Brüder von KLAN: Stefan und Michael fotografiert von Dorothea Dittrich.

Hattet ihr jemals die Sorge, mit eurer Musik womöglich kein größeres Publikum ansprechen zu können, oder hattet ihr keine der bekannten längeren Durststrecken?

STEFAN:
Wir hatten das besondere Glück, dass wir relativ schnell einen Plattenvertrag bekommen haben. Nachdem wir etwa ein Jahr Songs geschrieben und vorproduziert haben, sind Personen aus der Branche an uns herangetreten und waren an unserer Musik interessiert. Das ist eine besondere Position, wenn man das erleben darf und gar nicht so lange darauf hinarbeiten muss, gesehen und gehört zu werden.

MICHAEL:
Hinzu kommt, dass Stefan als langjähriger Musiker auch schon wichtige Erfahrungswerte mitgebracht hat, wodurch sicherlich auch gewisse Dinge schneller passiert sind.

STEFAN:
Ich habe mich viel als Gitarrist in verschiedenen Bands verdingt und Musik gespielt, die ich selbst nicht cool fand. Habe aber dadurch auch gelernt, dass, wenn es nicht mit der eigenen Musik klappt, ich immer noch für andere schreiben und spielen kann. Dadurch habe ich das Selbstbewusstsein gewonnen, es mit der eigenen Musik zu versuchen. Ich fühle mich in der Szene schon sehr beheimatet und schreibe bereits jetzt für andere.

Foto: Max Nelson

DIE BAND
KLAN sind die Brüder Stefan und Michael. In Leipzig aufgewachsen mit Kirchenchor und Straßenmusik, wird der eine Gitarrist und der andere geht nach Berlin, um Medizin zu studieren und um sich dann doch ebenfalls für ein Leben als Musiker zu entscheiden. 2016 bilden sie in Berlin das Duo KLAN, Michael als Sänger und Texter und Stefan als Produzent und Gitarrist mit gutem Branchennetzwerk und musikalischer Reife. Die Wege zur Musikszene sind kurz und schnell verschaffen sich die beiden Brüder Gehör für ihre Musik und unterschreiben nach nur einem Jahr Vorproduktion bei Warner Music, um gemeinsam mit Produzent Tim Tautorat ihr Debütalbum „Wann hast du Zeit“ aufzunehmen.

TOURDATEN 2019
16. März, Mainz
17. März, Freiburg
19. März, Konstanz
20. März, Zürich
22. März, Wien
23. März, Ulm
24. März, Potsdam
02. April, Nürnberg
03. April, Leipzig
04. April, Bremen
05. April, Lüneburg
06. April, Rostock

Denkt ihr, es war wichtig für euch als Band, von Berlin aus zu starten, um für eure Musik ein gewisses Branchennetzwerk und kreatives Umfeld zu schaffen?

STEFAN:
Für die Nähe zur Industrie ist es sicher sehr hilfreich, in Berlin zu leben. Dadurch konnten wir an gewissen Veranstaltungen teilnehmen, haben auch die ein oder andere berüchtigte Labelnacht mitgenommen und konnten so gewisse Leute kennenlernen und in diese Blase eintreten. Persönlich finde ich aber durchaus die romantische Vorstellung schöner, sich aus dem ganzen Trubel herauszuziehen und außerhalb einer Stadt wie Berlin sein eigenes kreatives Umfeld zu schaffen.

Glaubt ihr, dass ein kontinuierliches Netzwerken und Kommunizieren mit Leuten entscheidende Faktoren sind, um sich langfristig als Künstler in der Branche zu etablieren?

STEFAN:
Ja. Ich habe das Gefühl, dass dieser Netzwerkgedanke langsam auch im Pop ankommt, so wie es im Hip-Hop-Genre schon seit Jahren gepflegt wird. Dass Künstler merken, dass sie auch eine Community sind und sich gegenseitig bereichern. Ich finde diese Verbindungen zu anderen Künstlern ganz wichtig. Und dafür ist Berlin als Szene natürlich klasse.

Habt ihr das Gefühl, dass sich mit zunehmender Aufmerksamkeit und wachsendem Erfolg eure Beziehung zu eurer Musik verändert? Erwischt ihr euch womöglich auch mal beim Taktieren, wenn ihr neue Songs schreibt?

MICHAEL:
Grundsätzlich verändert sich unsere Beziehung zu unserer Musik kontinuierlich. Durch Zeit, durch Erlebnisse, durch das Weiterentwickeln. Ein Taktieren gibt es insofern, als man schon gewisse Standards beachtet. Wenn man beispielsweise an Radio denkt, wo ein Song nach wenigen Sekunden einen musikalischen Höhepunkt liefern muss oder von Anfang an ein Gefühl von einem bestimmten Groove transportieren sollte. Wenn diese Standards mich in meiner Aussage eines Songs nicht einschränken, werde ich sie natürlich berücksichtigen. Dadurch erhöhe ich einfach die Chance, mehr Gehör zu finden.

Foto: Jan Antonin Kolar.

Euer Debütalbum „Wann hast du Zeit“ liefert einen selbstbewussten und souveränen Sound. Hattet ihr Hilfe bei der Produktion und dem Herausfiltern eurer eigenen Klangfarbe?

STEFAN:
Wir haben unser Album mit Produzent Tim Tautorat aufgenommen. Er wurde uns sowohl seitens unseres Managements als auch von unserem Label vorgeschlagen, ich kannte ihn schon und liebe die Platten, die er mit Gitarrenbands wie The Hirsch Effekt oder Adolar gemacht hat. Nachdem wir unsere Demos fertig hatten, haben wir gemeinsam versucht den Songs, einen eigenen Klangcharakter zu geben, womit man natürlich generell einen schwereren Stand hat, wenn man damit an Medienpartner herantritt. Aber wir wollten mit unserem Album eben nicht üblichen Standards und grundsätzlichen Gefälligkeiten entsprechen.

Hattet ihr Bedenken, bei einem Major-Label zu unterschreiben und eure Musik in die branchenüblichen Zahnräder zu geben?

MICHAEL:
Ich hatte anfangs Bedenken, die sich aber nicht bestätigt haben. Wir haben uns gemeinsam mit unserem Team über die Single-Auswahl verständigt und ansonsten gab es erfreulicherweise wenig künstlerische Einflussnahme.

Michael und Stefan fotografiert von Dorothea Dittrich.

Lernt ihr mit wachsender Aufmerksamkeit neue Seiten an euch kennen? Setzt euch die Tatsache, dass ihr nun hauptberufliche Musiker seid, unter einen gewissen Druck?

STEFAN:
Mir persönlich macht es insgesamt schon Druck, da ich auch die langfristige Perspektive bedenke, auch aus Sicht von unseren Partnern. Mit Michael habe ich aber zum Glück jemanden an meiner Seite, der dafür Sorge trägt, dass wir uns künstlerisch nicht verkaufen.

MICHAEL:
Mir machen einzelne Aspekte des Jobs natürlich auch Druck. Beispielweise legt man ein halbes Jahr vor den Tourneen fest, wie viele Personen in etwa zu den Konzerten kommen werden, und bucht entsprechende Clubs. Man rechnet mit einem gewissen Erfolg und damit geht eine Erwartungshaltung und Zielsetzung einher. An einem halbleeren Konzertsaal hängt eben für viele aus unserem Team einiges dran.

Habt ihr manchmal Angst vor dem, was nach der Welle um das erste Album und nach Beendigung eurer laufenden Tour kommt?

MICHAEL:
Als Künstler tauscht man Freiheit gegen Sicherheit ein. Klar hab ich manchmal Zweifel, aber die meiste Zeit bin ich zuversichtlich. Und wir schreiben ja schon wieder neue Musik, die mir echt Spaß macht. Dadurch pusht man sich selbst!

Foto: Gabriele Diwald.

Wie leicht oder schwer fällt es euch, für eure Musik selbst Werbung zu machen und euch auf euren Social-Media-Kanälen selbst darzustellen? Habt ihr inzwischen einen eigenen Ton und Rhythmus gefunden?

STEFAN:
Es strengt uns beide schon ziemlich an. Für Michael ist es weniger intuitiv, sich selbst darzustellen, da er auch privat weniger auf Social Media aktiv ist. Daher habe ich es in die Hand genommen, finde es aber auch mühsam. Wir mussten eben auch lernen, dass nicht jedes Foto, das wir teilen, unseren ästhetischen Vorstellungen entsprechen muss, weil es unseren Hörern und Followern eben viel besser gefällt, wenn wir einen authentischen Schnappschuss von uns beiden teilen. Es ist ein Lernprozess.

MICHAEL:
Ich denke, man muss verstehen lernen, dass Social Media eine Plattform ist, um für die eigene Musik Werbung zu machen, statt sich künstlerisch auszudrücken. Die Kunst ist für uns die Musik.

In euren Songtexten thematisiert ihr unter anderem auch gesellschaftliche Verantwortung und Wertevorstellungen. Glaubt ihr, dass der deutschsprachige Pop allmählich eine stilistische Veränderung erfährt und Bands mit Haltung mehr Fläche geboten wird?

STEFAN:
Ich habe total das Gefühl, dass sich da was verändert. Das sieht man bei anderen Künstlern, die mit Ehrlichkeit in ihrer Musik viele Leute erreichen. Natürlich gibt es nach wie vor einen riesen Markt für Klischeepop. Aber ich hoffe, dass sich mehr und mehr Flächen für eine coole und charakterstarke deutschsprachige Popkultur auftun.

Welchen Rat habt ihr an andere Musiker/-innen?

MICHAEL:
Bevor ihr euch mittel- oder langfristig mit Partnern einlasst und Verträge unterschreibt, checkt die Verträge mehrfach und fragt immer auch bei anderen nach, was sie von diesen Vertragspartnern und Beziehungen halten. Und ansonsten: einfach machen! Spaß haben! Das ist das Wichtigste.

Danke an Michael und Stefan für das Interview. Danke an die Leserinnen und Leser für das Interesse.

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